8. Mai
65 Jahre ist es her, dass die nationalsozialistische Barbarei in ihren schlimmsten Auswüchsen gewaltsam durch die alliierten Streitkräfte beendet wurde. Nicht die Möglichkeit von Auschwitz wurde beseitigt, aber doch seine damalige reale Umsetzung, die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Menschen im industriellen Maßstab. Dieser Zivilisationsbruch konnte nicht durch die in der Zivilbevölkerung so beliebten Lichterketten beendet werden, sondern nur durch die militärische Intervention der Westmächte und der Sowjetunion.

Dass es die Panzer und Bomber der bürgerlich-kapitalistischen Länder im Bündnis mit der Sowjetunion waren, die das nationalsozialistische Deutschland und seine menschenvernichtende Ideologie stoppte, ruft bei vielen Menschen ein Unbehagen hervor. Sie wollen nicht wahrhaben, dass der Appell an die Zivilgesellschaft mit den Lichterketten ein Appell an die Volksgemeinschaft ist, welche mit dem „Feuer der Kerzen“ Bücher, Synagogen und schlussendlich auch Menschen verbrannt hat.
Es ist der verzweifelte Ruf an den Täter, er solle seine Tat doch unterlassen, damit man in seiner Ruhe nicht gestört wird. Man will sich den Tatsachen nicht stellen, die Verbrechen nicht bemerkt haben, damit man nicht einschreiten oder irgendeine Konsequenz daraus ziehen muss.
Das militärische Einschreiten der Alliierten war diese Konsequenz, die die Deutschen der Welt aufgezwungen haben. Diesem Paradoxon, dass der Krieg, in seiner ganzen Grausamkeit und Tödlichkeit, gebraucht wird, um den Tod zu bekämpfen indem er den Mensch als Mensch erst wieder denkbar macht – dem wollen sich die deutschen Friedens- und Zivilgesellschaftsfreunde nicht aussetzen.

Der so beliebte Appell an den Täter setzt diesen als Einzelnen voraus. Soweit dieser als Individuum existiert, kann er als solcher angesprochen werden und sein Handeln ändern. Der Nationalsozialismus hat den Einzelnen als Individuum nicht zugelassen, er bestand nur als Bestandteil der negativen Allgemeinheit. Als solcher wird der Appell an den Einzelnen immer die Allgemeinheit antreffen – die diesen höhnisch verlacht und ihm das „Produktionsverhältnis des Todes“ (ISF) entgegenhält, in welchem sich der Einzelne in die deutsche Volksgemeinschaft einschmiegt.
Derjenige, der sich gegen die Volksgemeinschaft aussprach, also gegen den Antisemitismus, das Rassedenken, gegen die Auflösung der Gesellschaft hin zu gewalttätigen Rackets, fiel aus der Gemeinschaft heraus, wurde nicht mehr als echter Deutscher angesehen. Demnach musste dieser entweder zwangsweise mit Gewalt in die Volksgemeinschaft eingegliedert werden oder wurde im KZ oder Vernichtungslager seinem Schicksal überlassen. Anders erging es den Juden oder auch Sinti und Roma – sie konnten erst gar nicht aus der Volksgemeinschaft herausfallen. Die Juden galten den Deutschen nicht einmal mehr als „echte“ Rasse, sie fungierten trotz den ihnen zugeschriebenen rassistisch-biologischen Merkmalen als die Gegenrasse, die das Prinzip der Rassen aufhebt. Deshalb mussten sie vernichtet werden, damit die Volksgemeinschaft überhaupt existieren konnte. Die Volksgemeinschaft wurde Realität, indem sie die Anderen gewaltsam ausschloss und die Juden vernichtete.
Der völligen Realisierung der deutschen Volksgemeinschaft und ihren Allmachtsfantasien standen nur die alliierten Armeen im Wege und nicht die Deutschen. Die Alliierten waren damals die einzige Kraft, welche die negative Aufhebung des Kapitals aufhalten und die Welt in einen Zustand zurückversetzen konnte, in dem die positive Aufhebung überhaupt erst wieder denkbar wurde.

Für einen Teil der Linken hat diese Tatsache den herben Beigeschmack, dass es unter anderem westlich-kapitalistische Länder wie die USA und Großbritannien waren, die den Sieg gegen Nazideutschland errungen haben – während das sich erträumte revolutionäre Subjekt in Form des Proletariats zu einem großen Teil die Volksgemeinschaft mit umsetzte.

Es ist das antiwestliche Ressentiment, welches hervorscheint, wenn man den 8.Mai nicht als das benennen möchte, was er ist: der Sieg der Alliierten über Nazideutschland. Weil man sich unwohl fühlt, den Alliierten Soldaten der USA und GB zu danken, die als Sinnbild des kapitalistischen Imperialismus herhalten müssen. Man weiß zwar, dass der 8.Mai notwendig und richtig war; aber der Kapitalismus sei ebenfalls nicht wünschenswert. Aus dieser Ablehnung des Kapitalismus heraus fällt es vielen Linken schwer, denen zu danken, die im Namen der Freiheit unter der Ägide von kapitalistischen Ländern kämpften. In ihren Augen haben diese nur ihre eigenen Kapitalinteressen verteidigt und durchgesetzt. Dass die Westmächte dabei zumindest den Schein der Freiheit, der Individualität, des individuellen Glücks notwendig mit ihrer Vorstellung von bürgerlicher Gesellschaft verteidigten, wollen sie nicht achten. Für sie gilt das Motto: ganz oder gar nicht.
Wie die Deutschen nach dem Ende des 2.Weltkrieges nicht zur Ruhe kommen können, weil die Volksgemeinschaft über die Vernichtung der Juden nicht zur Vollendung gekommen ist; wie sie im Wartestand stehen und dabei mit ihrer enttäuschten Hoffnung in Lethargie versinken, so verachten die Linken insgeheim das Ende des Zweiten Weltkrieges, weil dieser nicht eine Zeit der aufkommenden Revolutionshoffnungen wie nach dem 1. Weltkrieg hervorbrachte. Sie hätten sich das gewünscht, was die Deutschen sich vorgaukeln: eine „Stunde Null“. Dass es diese nicht gab, werfen sie den Alliierten, insbesondere den westlichen vor.

Im nationalsozialistischen Deutschland existierte gar nicht die Möglichkeit einer Stunde Null. Bis zuletzt hatte das deutsche Volk für die Erhaltung ihrer antisemitischen Volksgemeinschaft gekämpft und in ihrem Namen vernichtet. Erst mit der militärischen Niederlage ihrer bewaffneten Rackets musste sie sich der militärischen Macht der Zivilisation beugen.
Die Volksgemeinschaft wurde nicht aufgelöst, weil sie den Leuten bis in den Tiefen des Unterbewusstseins eingeschrieben war. Wer sich bei einer solchen Ausgangssituation eine Stunde Null wünscht, kann nur das Leben verachten; diese Stunde Null wäre die vollendete Vernichtung des Lebens für die Volksgemeinschaft gewesen.
Dass der irrationalen Raserei Einhalt geboten wurde, die Volksgemeinschaft erst einmal in Ketten gelegt wurde, dass Leben, Freiheit und Glück wieder einen Hauch ihrer möglichen Bedeutung bekamen, nachdem sie im Schlund der Vernichtungslager sich fast schon vollständig aufgelöst hatten – das ist der Verdienst der Alliierten, ihrer Soldaten, den Widerstandskämpfern und anderen Helfern.

Für die Deutschen hat der 8. Mai heute die Bedeutung als Tag der Befreiung des deutschen Volkes von der Herrschaft der Nationalsozialisten eingenommen. Sie haben sich somit in die Reihe der Länder eingereiht, die einst unter der deutschen Besatzung zu leiden hatten.
Seit Rot-Grün hat Deutschland endgültig eine Trennlinie zwischen sich und den Nazis gezogen. Deutsche sind Deutsche und Nazis waren Nazis. Diese hermetische Trennlinie zeigt sich auch bei den Gegenaufrufen zu Neonazidemos, wo die Nazis als der jeweiligen Stadt „Wesenfremdes“ identifiziert und gebeten werden, aus der Stadt „RAUS!“ zu gehen. Wie die Nationalsozialisten als geschichtlicher Ausrutscher Deutschlands gelten, aus dem noch Kapital zum weltweiten Spitzenreiter im „aus der Geschichte lernen“ geschlagen werden kann, so können die jeweiligen Städte nicht verstehen, woher die Nazis kommen und benutzen diese Anlässe, um mit einer „Volksgemeinschaft gegen Rechts“(ag no tears for krauts) sich als weltoffene moderne deutsche Stadt zu präsentieren.
Die Deutschen feiern am 8.Mai die Befreiung von ihrer Schuld. Da sie wissen, dass die Nazis gewählt und nicht eingeflogen wurden, müssen sie sich selbst noch als Opfer im 2. Weltkrieg zur Schau stellen, um sich befreien zu können. Man war nicht mehr nur Täter, sondern auch Opfer. Mit dem Eingeständnis der deutschen Schuld von damals holte man sich die Berechtigung, nun auch legitim den Status als Opfer zu besetzen. Dieser scheinbare Gegensatz in der deutschen Gedenkkultur – einerseits Eingeständnis der deutschen Schuld, andererseits Betonung des eigenen Opferstatus – ist demnach überhaupt keiner. Das – vermeintliche – Eingeständnis der Schuld ist vielmehr die – tapfer in Kauf genommene – Vorbedingung, nun endlich auch der „eigenen Opfer“ gedenken zu dürfen.
Mit dem Ruf nach differenzierter Betrachtung, der in der Linken auch immer bei der Beurteilung der Motive der Alliierten laut wird, will man herausstellen, dass es ja nicht nur einen Täter gab, sondern viele aus verschiedenen Ländern. Wenn also nicht nur Deutsche Täter waren, dann waren auch nicht nur andere Opfer, sondern auch die Deutschen. Damit sind jedoch nicht etwa diejenigen deutschen Staatsbürger gemeint, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden, da ihnen in diesem Moment ihr Deutschsein aberkannt wurde – sondern die Deutschen, welche von den Alliierten gezwungen wurden, ihr Mordkollektiv aufzugeben. Man will sich als geläutertes Deutschland mit eigenen Opfern inszenieren.
Hier zeigt sich eine ahistorische Geschichtsauffassung, die Ereignisse und gesellschaftliche Prozesse strikt voneinander und untereinander getrennt sehen will. Dabei wird sich suggeriert, dass die geschichtlich-gesellschaftliche Konstellation des Nationalsozialismus keine direkten Auswirkungen auf die darauf folgende Gesellschaft habe. Unter diesen Voraussetzungen ist auch das Herbeihalluzinieren einer Stunde Null durchaus logisch stringent, in der alles neu und geläutert und versöhnt sein soll.
Das Einzige, was vom Vergangenen als übrig geblieben akzeptiert wird, waren die aufgezwungenen Konsequenzen der Alliierten. Dies aber auch nur, weil man nicht anders konnte.
Weil die Gesellschaft und die Psyche der Menschen nichts mehr von den Bedingungen des Nationalsozialismus enthalten sollen, kann man sich seit Rot-Grün so unbefangen mit der Vergangenheit beschäftigen und einen Schlussstrich darunter ziehen.
Zu dieser Auffassung gehört genauso, die Schuld der damaligen deutschen Gesellschaft einzuräumen – weil man schließlich davon nicht mehr direkt betroffen sein kann – wie die vermeintlich eigenen Opfern zu betonen, um schlussendlich zu zeigen, dass man die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen habe. Dann kann man als neues Deutschland auch Krieg im Namen von Auschwitz führen oder Israel, dem „Juden unter den Staaten“ (Léon Poliakov) nahelegen, es solle sich doch bitte etwas deutscher benehmen – also Konsensfreude und Versöhnungslust zeigen, vor allem natürlich mit allen Antisemiten dieser Welt. Dann kann man auch einen Antifasommer ausrufen, einen „Aufstand der [a]nständigen“ (Gerhard Schröder) Deutschen gegen die unanständigen Nazis – die dann in der Dresdner „Volksgemeinschaft gegen Rechts“ ihren vorläufigen Höhepunkt findet.

Mit Auschwitz kann man sich nicht versöhnen, sich zur Ruhe setzen. Ein solcher Versuch ist schon ein grenzenloser Skandal, der die Opfer auslacht und als solche noch einmal negiert.
Jede Versöhnung auf dieser Basis ist Relativierung, Geschichtsrevisionismus, zuallererst aber unmenschlich. Auschwitz ist die Negierung aller Versöhnung, Auschwitz ist unbegreifbar und kann es nur sein.

2.Text:
Die deutsche Linke und das Mullah-Regime – Turbeltäubchen?
Die Reaktion der deutschen Linken als Avantgarde des postnazistischen Kollektivs auf die oppositionellen Regungen im Iran weist verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Verhalten zum 8. Mai auf. Wenn tausende Menschen gegen das wahnhaft antisemitische Mullah-Regime auf die Straße gehen – und für ihre Freiheit, für universelle Rechte, kurz: für ein angenehmes Leben, so ist das für die deutsche Linke noch lange kein Grund, sich mit ihnen solidarisch zu zeigen. Die Linke halluziniert sich lieber eine westliche, das heißt: amerikanisch-israelische Verschwörung gegen den größten Antiimperialisten aller Zeiten Ahmadinedschad herbei und denunziert das Streben nach Meinungs- und Wahlfreiheit, nach dem Recht sich seinen eigenen Kleidungsstil zuzulegen und abends auf der Party auch mal ein Bier zu trinken, kulturrelativistisch und in bester antisemitischer Manier als westlich-imperialistische Dekadenz, als den Versuch, das urwüchsige islamisch-iranische Volk zu zersetzen und seine Widerstandskraft zu schwächen. Wir lassen pars pro toto Jürgen Elsässer zu Wort kommen:

„Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmadinedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“

Die Verschwörung des Finanzkapitals verbündet sich mit den Miezen, die es doch tatsächlich wagen, den Wunsch nach Disco, Party, das heißt: einem schönen Leben, öffentlich zu formulieren und sich nicht dem khomeinistisch-elsässerischen Ideal der keuschen, letzlich asexuellen islamischen Frau beugen wollen. Der Vernichtungswunsch ist in der Formulierung vom Darkroom vollkommen unversteckt ebenfalls gleich inklusive.

Die iranische Opposition versucht im Moment genau das, was den Deutschen nie gelang und auch gar nicht gelingen konnte, weil sie es nie wollten: ein wahnhaft antisemitisches Regime zu stürzen, sich nicht zum Komplizen, zum Volksgenossen der Vernichtung zu machen. Die Iraner halten damit den Deutschen – und hier gilt vor allem immer auch: der deutschen Linken – ihr eigenes historisches Versagen vor. Das was die Deutschen nicht schaffen konnten, weil sie es nie schaffen wollten; das, was den Deutschen letztendlich von den Alliierten aufgezwungen werden musste – die Zerschlagung des antisemitischen Mordkollektivs, die Befreiung des Individuums aus der Volksgemeinschaft – das versuchen die Iraner dieser Tage aus eigener Kraft zu erreichen. Im Gegensatz zu den Deutschen wollen die Iraner kein Leben im und für das Kollektiv, wollen sie als Individuen gegen die antizionistisch-antisemitischen Vernichtungspläne ihrer Regierung vorgehen.

Dabei zeigt sich die iranische Oppositionsbewegung zumindest in Teilen in einer der deutschen Linken verabscheuenswerten – und gerade deshalb zutiefst sympathischen – Form. Anders als die zu jeder Zeit von der Linken geliebten nationalen Befreiungsbewegungen tritt sie nicht als ein Kollektiv von Gleichgesinnten auf. Widersprüche werden nicht mit Verweis auf das große revolutionäre Endziel überspielt und weggewischt – überhaupt sind relativ wenige große revolutionäre Gesellschaftsentwürfe zu erkennen. Die Protestierenden im Iran wünschen sich ein Leben, das sie für sich selber leben können, ein Leben, das keinem Volk, keiner Religion, aber eben auch keiner großartigen Bewegung verschrieben ist, sondern das ihnen allein gehört. Und sie sehen, dass ein solches Leben unter dem islamischen Regime nicht möglich ist – und dagegen protestieren sie.

Die deutsche Linke – darin vollkommen im Einklang mit der angeblich doch so verhassten, weil rechts orientierten Mehrheitsgesellschaft – exerziert am Iran projektiv den eigenen Hass auf die bürgerliche Moderne. Diese wurde ihnen nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten – zumindest den westlichen – aufgezwungen. Die Deutschen hatten bis zum letzten Blutstropfen gekämpft, um diese Moderne in ihrem Land zu verhindern – und sie haben es indirekt auch geschafft. Zwar hat Deutschland heutzutage oberflächlich alle Institutionen und Rechte eines normalen bürgerlichen Staates – Parlament, Gewaltenteilung, Meinungs- und Pressefreiheit usw. Diese werden jedoch höchstens mit Widerwillen anerkannt, weiterhin wird alles, was dem Deutschen als zu modern, zu freiheitlich, mithin: zu westlich gilt, als zumeist amerikanische Erfindung zur Schwächung der deutschen – oder immer öfter auch: europäischen – Kulturnation denunziert. Innenpolitisch zeigt sich das in aller Deutlichkeit an Kampagnen gegen den amerikanischen Kulturimperialismus, an Forderungen nach Deutschquoten im Musikradio, oder, wunderbar links und kritisch und antikapitalistisch gewendet: an dem Farbanschlag auf die nächste McDonalds-Filiale. Außenpolitisch schaffte es ausgerechnet die Regierung, die mit Auschwitz den ersten deutschen Krieg seit 1945 begründete, sich nur einige Jahre später wiederum mit Verweis auf Auschwitz als die Größte Friedensmacht Aller Zeiten darzustellen – unter kräftigem Beifall aller Teile der deutschen Gesellschaft, vor allem natürlich wiederum der Linken. Das Muster dabei scheint klar – Kriege zur Aufteilung von Ländern in ethnisch-homogene Kleinststaaten – wunderbar! Kriege zur Beseitigung eines antisemitischen Diktators – schlecht, weil völkerrechtswidrig und ohnehin nur auf Öl aus! Oder anders gesagt, wie kürzlich in einer deutschen Realschule überhört: „Wenn die Amerikaner Krieg führen, geht es immer ums Öl. Wenn die deutschen Krieg führen, bauen sie Krankenhäuser!“

Dieser Hass auf die Moderne, auf das angeblich Amerikanisch-Westliche erklärt auch, warum die Linke – die sich im Normalfall mit jeder noch so reaktionären Bewegung solidarisiert, solange sie in irgendeiner Weise revolutionär scheint und nur möglichst oft das Wort Volk benutzt – für die tatsächlich im positivsten Sinne revolutionären Aufständischen im Iran kein gutes Wort finden können. Genau die Werte, die Freiheiten und Rechte, die den Deutschen nach dem 8. Mai zumindest oberflächlich von den Alliierten aufgezwungen wurden, fordern die Iraner jetzt für sich selber ein. Und genau wie die deutsche Linke schon damals nicht bereit war, den progressiven Gehalt von Meinungs- und Pressefreiheit, von bürgerlicher Individualität gegenüber (national-)sozialistischem Volksgenossentum anzuerkennen – genauso wenig kann sie sich heute mit der Opposition im Iran solidarisieren. So ist es auch zu erklären, dass die Linke – die, wie bereits erwähnt, sich mit jeder sonstigen Volksbewegung solidarisiert, auch und gerade wenn sie zum bewaffneten Kampf aufruft – im Falle des Iran die bewaffnete Auseinandersetzung, also den Krieg zum Sturz des Mullah-Regimes wieder als das schrecklichste aller Übel entdeckt. Genau die Linke also, die am 8. Mai nichts besseres zu tun hat, als sich über das Zeigen von Fahnen der Alliierten und den Dank an deren Armeen aufzuregen – genau diese Linke entdeckt auch im Iran zum bescheuertsten aller Zeitpunkte ihren unumstößlichen Pazifismus und beweist damit letztendlich nur wieder, dass sie nicht bereit und in der Lage ist, Individualität und universelle Rechte gegenüber Volksgemeinschaft und bodenständigem Kulturrelativismus zu bevorzugen – ja, sie letztere sogar mit Hand und Fuß und im Notfall auch mit „Hammer, Sichel und Gewehr“ (SDAJ) gegen die westlich-imperialistische Bedrohung verteidigen würde.

So gilt es, auch und gerade am 8. Mai, sich mit der iranischen Oppositionsbewegung zu solidarisieren, und zu hoffen, dass diese für sich erkämpfen kann, was den Deutschen aufgezwungen werden musste: Individualität, Freiheit und die Hoffnung auf ein besseres Leben.